Nationalpark-Haus

Jubiläum im Nationalpark-Haus

Delia, der Rochen

Das Nationalpark-Haus in Dorum Neufeld feierte in diesem jahr sein 30jähriges Bestehen

Kaum sichtbar und lautlos schwebt ein stattlicher Steinbutt über den hellen, sandigen Grund des großen Säulen-Aquariums. Ein echter Tarnexperte ist der Plattfisch. Wechselt die Farbe und Form des Untergrunds, passt er sich sofort an. Im Nationalpark-Haus in Dorum-Neufeld haben die Besucher seit 30 Jahren die Möglichkeit, die Lebewesen des Wattenmeeres vor der Haustür auch hautnah im Aquarium kennenzulernen.

Das Nationalpark-Haus wurde im September 1986 eröffnet. „Ein 1000-Liter Aquarium gab es gleich zu Anfang schon“, erinnert sich Biologin Waltraud Menger. Sie selbst kam im Dezember 1986 nach Dorum-Neufeld und leitet seitdem die Bildungseinrichtung. „Den ersten Fisch, den wir bekamen, war ein Dorsch, weiß sie noch ganz genau. Im zweiten Jahr hätten dann die Dorumer Kutterfischer oft Plattfische vorbeigebracht, die ihnen als Beifänge ins Netz gegangen waren. Es sei faszinierend gewesen, wenn sich die, durch den Wattboden dunkel gefärbten Schollen und Seezungen, über dem hellen Sandboden des Aquariums in rund 30 Minuten komplett umfärbten, so Menger. „Wir bekamen dann sogar die Möglichkeit, dass Aquarium zu vergrößern“, erinnert sich die Biologin. Die Bodenfläche wurde zur Hälfte mit Sand und zur anderen Hälfte mit Schlick bedeckt. Getrennt waren die beiden Areale durch eine niedrige Scheibe, die die Fische überschwimmen konnten. „Ich erinnere mich immer wieder gern an eine ziemlich dusselige Seezunge, die uns die Fischer eines Tages brachten“, erzählt Menger. Wie alle Fische aus dem Wattenmeer war sie dunkel, als sie auf den hellen Sandboden gesetzt wurde. Sie blieb aber noch rund vier Wochen dunkel und dachte gar nicht daran, ihre Farbe zu verändern. Erst viel später bekam sie nach und nach helle Flecken. „Dann hatte sie es endlich geschnallt“, so Menger. Die Plattfische müssten den Untergrund visuell erfassen, um die Farbe zu wechseln. Und dass hätte die Seezunge acht Wochen lang irgendwie nicht auf die Reihe bekommen. Auch „Delia“, der Nagelrochen, der ein bisschen wie ein Waldgeist aussah, erinnert sich Menger gerne. Besonders die Kinder hätten den Fisch geliebt, wenn sein „Gesicht“ an der Scheibe auftauchte.

Nach dem ersten Anbau wurde das Aquarium noch einmal erweitert. Erste Blumentiere fanden dort eine Heimat auf Zeit. Gefüttert wurden sie mit winzigen Garnelen ohne Kopf. Sogar geteilt hätten sich die wunderhübschen Nesseltierchen. Es sei faszinierend gewesen, wenn die Blumentiere an der Scheibe des Aquariums entlangwanderten. „Außerdem konnten wir ein extra Tidemodel mit 5000 Litern Wasser aufstellen“, erinnert sich die Leiterin des Nationalparkhauses. Bei diesem Tideaquarium seien die Wattflächen richtig freigelaufen. „Da war vielleicht ein Leben drin“, schwärmt sie. Nach dem Komplettumbau und der Erweiterung des Nationalpark-Hauses waren erst einmal die kleinen Haie die Stars im Aquarium. Vor zwei Jahren brachte einer der Krabbenkutter ein Katzenhaiweibchen mit, das sofort Eier gelegt hat. Fünf kleine Katzenhaie sind geschlüpft, davon ist „Haini“ jetzt das letzte Baby und entwickelt sich prächtig. Während bei den Gästen die großen Plattfische zu den Lieblingen zählen, hat sich Menger einen etwas unscheinbaren Fisch als Favoriten ausgesucht. „Mir gefallen die Aalmuttern“, erklärt sie. Als elegante Schwimmer würden sie sich gern unter Steinen verstecken. Außerdem bringen sie ihre Jungen lebend zur Welt. Und natürlich gehören die beiden verfressenen Dorsche auch zu ihren Lieblingen. „Das waren ja schließlich die ersten Fische, die wir hier im Aquarium gehalten haben“, so Menger. ul

Interessant für Kinder: das Wattenmeeraquarium
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