Wattlaufen

„Traumhaft und überirdisch“, konnte man immer wieder von den Teilnehmern hören. Atemberaubend das Farbenspiel am bewölkten Himmel. Die Sonne war bereits hinter dem Horizont verschwunden, im Watt vor Dorum-Neufeld setzte langsam die Flut ein und in großen Schwärmen kamen die Zugvögel zu ihren Ruheplätzen in den Salzwiesen des Nationalparks zurück.

Anlässlich des 30. Geburtstags hatte das Nationalpark-Haus Wurster Nordseeküste als Abschlussveranstaltung der Festwochen zu einer ganz besonderen Wattwanderung geladen. Bei auflaufender Flut ein kurzer Spaziergang ins Watt der untergehenden Sonne entgegen und dann mit der Flut zurück zum Strand, um dort bei einem Becher Tee und belegten Brötchen im Rund einer Strandkorb-Burg auf den Einflug der Zugvögel zu warten. Eine große Portion Geduld mussten die 32 Naturfreunde allerdings erst einmal aufbringen, bevor sie die geplante Wattwanderung in den Sonnenuntergang hinein beginnen konnten. Ein dickes Gewitter mit Starkregen machte der Gruppe einen Strich durch die Rechnung. „Es hört gleich auf zu regnen“, versicherte die Leiterin des Nationalpark-Hauses Waltraud Menger immer wieder. Und sie behielt recht. Nach einer halben Stunde kam über dem Watt die Sonne hervor und die Wanderung konnte beginnen. Was für eine Stimmung. Wolkenungetüme stiegen hoch in den Himmel, angestrahlt von der bereits untergegangenen Sonne. Farbspiele wechselten im Minutentakt von blutrot über rosa bis hin zu violett. Die zurückkehrende Flut sorgte indessen für erste Wasserflächen im Watt, in denen sich als exakte Abbilder die Farben und Konturen der Wolken spiegelten. „Es ist unbeschreiblich schön hier draußen“, schwärmte Eleonore Dehne-Seer aus Nordholz. Obwohl sie hier an der Küste wohne, wäre sie immer wieder fasziniert von diesem Schauspiel. Auch Familie Fischer aus Midlum war begeistert. „Als meine Frau die Ankündigung in der Nordsee-Zeitung las, hat sie uns sofort angemeldet“, erzählte Jörg Fischer. Gerade von einer Motorradtour zurück, ist er trotzdem gern mitgekommen. „Aber so gewaltig hätte ich mir die Natur heute Abend nicht vorgestellt“, so Fischer.

Inzwischen war die Gruppe in Sichtweite der fressenden Vögel angekommen. Näher an die Tiere heranzugehen würde diese aufscheuchen. „Ich kann viele Alpenstrandläufer aber auch Regenpfeifer, Knut und Austernfischer erkennen“, erklärte Menger. Die Zugvögel würden vor ihrem Weiterflug in ihre Überwinterungsgebiete eine Pause an der Wurster Küste einlegen und dabei im Rhythmus von Ebbe und Flut im Watt fressen und in den Wiesen südlich des Dorumer Tiefs ruhen. Langsam nahmen die Wasserpfützen zu, die Flut kam mit Macht. Immer noch beherrschte das Farbenspiel der untergegangenen Sonne den Himmel. So eine Weit- und Fernsicht ist sogar an der Wurster Küste nicht alltäglich. „Ich freue mich, dass heute so viele Einheimische mit dabei waren“, betonte Menger. Die Angebote im Rahmen des 30jährigen Bestehens des Wurster Nationalpark-Hauses seien in der ersten Woche sehr schleppend und in der zweiten Woche sehr gut angenommen worden, so ihre Bilanz. Vor allen Dingen die besonderen Veranstaltungen waren, soweit es das Wetter zuließ, gut besucht. ul